Warum deine Overlock falsch einfädelt (und wie du es richtig machst)

Wenn die Overlock-Naht nicht so aussieht, wie sie soll, wird schnell an der Maschine gezweifelt. Dabei liegt die Ursache in den allermeisten Fällen nicht an einem Defekt, sondern am falschen Einfädeln. Genau das sehe ich in der Werkstatt immer wieder – bei Einsteigern genauso wie bei erfahrenen Näherinnen und Nähern.

In diesem Beitrag erkläre ich dir Schritt für Schritt, worauf du beim Einfädeln von Overlock und Coverlock achten musst, welche Fehler besonders häufig passieren und wie du sie zuverlässig vermeidest.


Warum korrektes Einfädeln bei der Overlock so entscheidend ist

Eine Overlock arbeitet mit mehreren Fäden gleichzeitig. Diese müssen in der richtigen Reihenfolge, über die richtigen Fadenführungen und mit der passenden Spannung laufen. Schon eine kleine Abweichung reicht aus, damit:

  • die Naht offen ist
  • Schlaufen entstehen
  • sich die Fäden nicht verschlingen
  • der Stoff wellig wird
  • der Faden reißt

👉 Wichtig zu wissen:
Eine Overlock näht nicht „ungefähr richtig“ – sie näht entweder korrekt oder gar nicht.


Die häufigsten Anzeichen für falsches Einfädeln

In der Praxis erkennst du falsches Einfädeln meist an diesen Symptomen:

  • offene oder instabile Naht
  • Unter- oder Oberfäden liegen lose auf
  • Schlaufen auf der Stoffoberseite
  • Fäden reißen ohne erkennbaren Grund
  • trotz Spannungsänderung keine Verbesserung

Wenn mehrere dieser Punkte auftreten, ist das Einfädeln der erste Prüfpunkt – noch vor Stichlänge oder Differentialtransport.


Der größte Fehler: falsche Einfädel-Reihenfolge

Der Klassiker in der Werkstatt:
Die Fäden sind alle da, aber in der falschen Reihenfolge eingefädelt.

Bei fast allen Overlocks gilt:

  1. Greifer einfädeln
  2. dann die Nadeln

Warum?
Weil sich die Greiferfäden sonst gegenseitig blockieren. Wird die Reihenfolge nicht eingehalten, kann die Maschine die Fäden nicht korrekt verschlingen – egal, wie lange man an der Spannung dreht.

👉 Mein Tipp:
Wenn du unsicher bist, immer komplett neu einfädeln – nicht „korrigieren“.


Schritt für Schritt: So fädelst du richtig ein

1. Maschine vorbereiten

  • Maschine ausschalten
  • Nähfuß anheben
  • Nadeln ggf. herausnehmen
  • Fadenspannungen auf Standard stellen

Das Öffnen der Spannungen ist entscheidend – sonst liegen die Fäden später falsch.


2. Greifer einfädeln – sorgfältig, nicht hastig

  • jeden Faden exakt durch alle Fadenführungen führen
  • farbliche Markierungen beachten
  • keine Führung überspringen
  • Faden sauber bis zum Greifer legen

💡 Werkstattwissen:
90 % der Probleme entstehen, weil eine kleine Führung übersehen wurde.


3. Nadeln einfädeln – erst danach

  • Nadeln korrekt eingesetzt? (bis Anschlag)
  • von vorne nach hinten einfädeln
  • Fäden unter den Nähfuß legen

Erst jetzt darf genäht werden.


Overlock vs. Coverlock – wo liegen die Unterschiede?

Bei einer Coverlock kommen weitere Faktoren hinzu:

  • mehr Nadeln
  • anderer Fadenweg
  • anderer Einsatzzweck

Typische Fehler bei der Coverlock:

  • Nadeln falsch kombiniert
  • falsche Stichart eingestellt
  • Greiferfäden nicht korrekt geführt

Gerade bei Coverlock-Maschinen lohnt es sich, genau nach Anleitung zu arbeiten und nicht „nach Gefühl“.


Warum an der Fadenspannung drehen oft nichts bringt

Ein häufiger Reflex: Die Naht sieht schlecht aus – also wird an der Spannung gedreht.
Das Problem: Spannung kann falsches Einfädeln nicht ausgleichen.

Merke dir:

  • falsches Einfädeln = schlechte Naht
  • richtige Einfädelung + falsche Spannung = korrigierbar

👉 Erst einfädeln, dann feinjustieren.


Stichlänge & Differential – wichtig, aber zweitrangig

Natürlich spielen auch Stichlänge und Differentialtransport eine Rolle.
Aber: Sie lösen keine Einfädelprobleme.

Typische Richtwerte:

  • Stichlänge: ca. 2,5–3
  • Differential: 1,0 als Ausgangspunkt

Erst wenn die Naht grundsätzlich korrekt aufgebaut ist, lohnt sich das Feintuning.


Typische Anfängerfehler (ehrlich aus der Werkstatt)

Diese sehe ich immer wieder:

  • Einfädeln bei gesenktem Nähfuß
  • Fäden nicht bis zum Greifer gezogen
  • alte, fusselige Garne
  • unterschiedliche Garnqualitäten gemischt
  • zu schnelles Nähen beim Test

Overlocks mögen Gleichmäßigkeit und Ruhe – besonders beim Einrichten.


Mein Fazit als Nähprofi

Wenn deine Overlock falsch näht, ist sie in den seltensten Fällen kaputt.
Fast immer liegt es am Einfädeln – an Reihenfolge, Sorgfalt oder einer übersehenen Führung.

Oder kurz gesagt:
Eine Overlock ist ehrlich – sie zeigt sofort, wenn etwas nicht stimmt.

Wer sich Zeit fürs Einfädeln nimmt, wird mit sauberen, stabilen Nähten belohnt.

Wer näht, kennt Fred. 🧵